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O-M-S

Oberflächen-Medien-Substanzen

Wir leben in einer Umwelt, die aus Substanzen, einem Medium und Oberflächen besteht: aus Substanzen, die mehr oder weniger stofflich sind, aus der gasförmigen Atmosphäre als Medium und aus Oberflächen, die die Substanzen vom Medium trennen. Wir leben nicht im »Raum«.“ (J.J.Gibson, The Ecological Approach to Visual Perception, Houghten Mifflin Company, Boston 1979)

Aus  der  Sicht eines Wahrnehmungspsychologen ist die Wahrnehmung von »Raum« als Auffaltung von drei Koordinatenachsen tatsächlich reine Vorstellung und nicht haltbar. Wir erleben Raum anders. Die Umwelt besteht aus Substanzen, Medium und Oberflächen. Das Medium besteht aus Schwerkraft, Wärme, Licht, Schall, flüchtigen Substanzen. Wir sind chemischen und mechanischen Einwirkungen, Kontakten und Schwingungen ausgesetzt. Das Medium ist angefüllt mit Energie, der Beobachter ist in ein Meer von Energie getaucht. Ein Bruchteil dieses Energiemeeres kann als Reizung dienen und Informationen liefern. Wir nehmen unsere Umwelt/Umgebung als gegeben hin, weil wir an sie gewöhnt sind. Wir erkennen Umgebung als Raum, der mit Atmosphäre und Objekten erfüllt ist. Als Gestalter beschäftigen  wir uns mit den Objekten, die im Raum vorhanden sind. Durch die Wahrnehmung der Umgebung gelangt man zu einer Sicht der Umwelt (jedes Lebewesen zu einer spezifisch eigenen), die die Vorstellung der Möglichkeit von Objekten direkt beeinflusst. Man untersucht zumeist diese eigene Möglichkeit der Gestaltung von Objekten, ohne sich des Einflusses der Umwelt gewahr zu werden.

Neben dem Medium Luft, durch das wir uns bewegen, das uns umhüllt, Licht, Geruch und Schall überträgt, sind es die Oberflächen, die uns umgeben. Wir sehen Oberflächen, kommen mit Ihnen in Berührung. Sie bilden Räume und sind Grenzflächen. Letztlich sind es immer Oberflächen, die gestaltet werden, Räume, und Gegenstände bilden.
Unser Experiment ist nun der Verzicht auf diese Grenzflächen. Denkt man die Umwelt ohne Oberflächen, fließen die Substanzen und das Medium ineinander. Der Gedanke, in Substanzen eindringen zu können, wie ein mikroskopisches Auge, ist faszinierend. In Gedanken kann man das Medium Luft verdichten. Geschärfte Sinne erkennen den Wind als Widerstand. Temperaturänderungen sind genauso "raumbildend" wie Stahlbeton. Regen, Schneefall, etc. verdichten das Medium und lassen es zur durchdringbaren Substanz werden.

Diplomarbeit
Wassner, Moritsch, Universität für Angewandte Kunst, Wien, 2002

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