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Ökonomie beim Entwerfen

Anmerkungen zur Ökonomie beim Entwerfen
Form und Kontext / Implizites Wissen objektivieren / Experiment, Ornament, Furnier / Nachhaltigkeit / Formale Sequenz

Die folgenden Anmerkungen zur Ökonomie beim Entwerfen richten das Augenmerk auf die Prozesse künstlerischer Formgebung innerhalb des Industrial Design, d. h. das, was in einem fertigen Entwurf nicht sichtbar oder quantifizierbar ist. Dazu gehören Formwerdungs- und Wissensprozesse sowie Experimente und Fehler beim Entwerfen. Anhand des konkreten Projekts „Neue Furniere“, das die Entwurfsgruppe bkm gemeinsam mit der Firma RoHol initiiert, werden verschiedene theoretische Aspekte vor dem Hintergrund einer Ökonomie beim Entwerfen diskutiert. Die folgenden Punkte, die im Text weiter unten genauer behandelt werden, dienen als erste Begründung einer Ökonomie beim Entwerfen:

Entwerfen kann als Optimierungsprozess zwischen den Ausgangsmaterialien des Entwurfes und seinen Umgebungen betrachtet werden.

Entwerfen verläuft nicht isoliert von realen Bedingungen, sondern als Anpassungsprozess, bei dem die Form in Wechselwirkung mit den Problemkontexten erzeugt wird.

Entwerfen ist eine Zusammenarbeit, bei der Architekten, Industrial Designer, Spezialisten und Auftraggeber durch den Austausch von Fachwissen und subjektiven Wissensanteilen effektiv zusammenarbeiten.

Entwerfen mit Experimenten und Methoden verkürzt den Entwurfsprozess und vermindert die Wahrscheinlichkeit ästhetischer Fehlurteile.

Entwerfen ist ein Prozess, der zunehmend mit der Produktion zusammenfällt, wodurch Entwurfsprozesse nicht mehr energieverbrauchende Universallösungen sind, sondern nachhaltig die jeweiligen Problemstellungen berücksichtigen.

Entwerfen ist kein handwerklicher Ornamentierungsprozess, bei dem Arbeitskraft vergeudet wird und Artefakte verziert werden, denn Ornamente können industriell erzeugt werden.

Entwerfen als produktiver Umgang mit vermeintlichen Fehlern, Problemstoffen und schwierigen sozialen und ökologischen Themen kann eine neue Ethik bei den Endverbrauchern der entworfenen Artefakte auslösen.

Auszug aus dem Text „Anmerkungen zur Ökonomie beim Entwerfen“ von Gert Hasenhütl

Herausgeber
bkm design working group, 2009

Materialmuster
RoHol, bkm

Diese Publikation erschien anlässlich der Ausstellung „Neue Furniere“ im Rahmen der Vienna Design Week 2009.

Die Publikation ist erhältlich unter:
info@bkm-format.com

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