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Neue Furniere

Die Zusammenarbeit der Entwurfsgruppe bkm mit dem oberösterreichischen Furnierplattenhersteller RoHol ist ein Projekt mit besonderer Vorgeschichte: Beide – bkm und RoHol – arbeiten an Experimenten mit Furnierplatten, wobei Herstellungsverfahren und Einsatz von ökonomischen Überlegungen bestimmt werden. Es entstehen verschiedene Verfahren, um die Oberflächen von Furnieren industriell zu verändern. Der ökonomische Gedanke des Entwurfes besteht darin, die Technik des Ornamentierens in ein reproduzierbares industrielles Verfahren überzuführen. Um das zu erreichen, wird etwas, das im handwerklichen Kontext als verpönt gilt – nämlich ein Produktionsfehler –, als Entwurfsansatz verwendet. Die Verfahren bieten verschiedene Möglichkeiten: Es entstehen experimentelle Furnierplatten mit Furnierbildern, die sich alle voneinander unterscheiden. Ähnlich wie bei der „mass customization“ können so im industriellen Kontext Einzelstücke erzeugt werden. Die nachhaltige Dimension des Projekts „Neue Furniere“ liegt in der Abänderung und Arbeit am Kontext, wobei Formwerdung und Ornamentierung beim Entwerfen nebensächlich sind.

bkm entwirft neutrale Kuben, um die Wirkung der experimentellen Furnierplatten möglichst wenig zu beeinflussen oder durch den Entwurf zu kontrastieren. Die Kuben sind Aufbewahrungsmöbel mannigfacher Art: Als mnemotechnische Hilfsmittel speichern und assoziieren wir mit ihnen Gedanken und als praktische Behältnisse trennen wir mit ihnen Privates von Öffentlichem. Es geht im Entwurf zu den „Neuen Furnieren“ nicht darum, Kunstgegenstände herzustellen, die das Etikett entwerferischer Arbeit tragen, sondern darum, aufzuzeigen, wie Ressourcen und implizites Firmenwissen mithilfe von Entwerfern genutzt werden können.

Die Objekte entstanden anlässlich der Ausstellung „Neue Fruniere“ in der Galerie Artmark im Rahmen der Vienna Design Week 2009.



Designer
Bruckner, Litzka, Moritsch, 2009

Hersteller
RoHol, Rosenauer Holzverarbeitungsges.m.b.H.

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